Geographie
und Geschichte: zu ihrem Verhältnis in der Antike und in der
Moderne
Kein Geschehen ohne Zeit
und Raum: Schon in der Antike hat es deshalb Historiker gegeben, welche
Geschichtsschreibung und Geographie miteinander verbunden haben. Bereits
bei Herodot findet sich beides eng miteinander verwoben. Der bekannte
Geograph Strabon wiederum ist zugleich Verfasser einer Universalgeschichte.
Die Beschreibung Griechenlands durch den kaiserzeitlichen Periegeten (vom
griechischen peregeomai, herumführen) Pausanias enthält
so genaue archäologische Angaben, dass moderne Forscher immer wieder
verblüfft sind. Ebenso sorgfältig zitiert Pausanias Inschriften
und gibt historische Exkurse.
Heute sind die mit der
Geographie verknüpften Fragen von sehr viel mehr und stärker
als damals unterschiedenen Disziplinen her anzugehen, nur noch für
Laien gibt es eine fachliche Einheit "Geographie". Bei der Klärung
der Interdependenzen von naturräumlichen und anthropogenen Faktoren
müssen neben der Geschichte auch die Erkenntnisse der Archäologie,
zum Teil auch der Ethnologie und der kulturwissenschaftlichen Anthropologie
berücksichtigt werden.
Naturwissenschaftliche
und technische Methoden sind dabei der altertumswissenschaftlichen Arbeit
in vielfacher Weise nützlich geworden. C-14-Bestimmungen und Dendrochronologie
kann man an erster Stelle nennen, hinzu kommen Bodenkunde, Geologie, Geomorphologie,
Geophysik, Hydrologie, Klimaforschung, Paläobotanik, Paläoökologie
und Paläozoologie.
Neue Techniken kommen
auch bei der Fernerkundung und Kartographie zur Anwendung. Das Geographical
Positioning System (GPS) beispielsweise bietet hervorragende Möglichkeiten
für Kartierung und präzise Lokalisierungen. Aber auch eine in
den Traditionen der Geisteswissenschaften betriebene Orts- und Flurnamenforschung
bietet grundlegende Einsichten, die bei der Rekonstruktion vergangenen
Geschehens heranzuziehen sind.
Wichtige Zweige einer
Geographie, Archäologie und Geschichte (und weitere disziplinäre
Orientierungen) verbindenden Forschung laufen unter den Bezeichnungen
"historische Landeskunde" und "Surveyforschung". Hinter
dem Begriff "Survey" verbergen sich recht unterschiedliche Vorgehensweisen,
die aber darin ihre Gemeinsamkeit besitzen, dass ein bestimmtes Gebiet
oder Gelände systematisch durchkämmt und erforscht wird.
Chronologie: Von der Jahreszählung nach Eponymen (nach Personen
benannte Jahre) zur Rechnung "vor" bzw. "nach Christi
Geburt"
Die Lehre von der Zeitrechnung
wird in diversen Handbüchern abgehandelt. Die grundlegende Frage
nach dem Wesen der Zeit ist freilich schwierig zu beantworten. Quid
est enim tempus? quis hoc facile breviterque explicaverit? stöhnte
Augustin (Confessiones 11, 14, 17). Nicht minder leicht darzustellen sind
in Kürze die zahlreichen Detailfragen.
Die chronologischen Listen
der Ereignisse, wie wir sie heute in einer Cambridge Ancient History,
einem dtv-Atlas oder einem Grossen Ploetz finden, fussen
auf dem, was die antike Chronographie von Eratosthenes im 3. Jh. v. Chr.
bis zum Kirchenvater Eusebios von Caesarea zu Beginn des 4. Jh. n. Chr.
zusammengestellt hat. Die lateinische Fassung (des Hieronymus) hält
fest: Varia volumina antiquarum historiarum perlustravi ..., und
es folgt eine Aufzählung von Vorläufern.
Die heutige Zeitrechnung
ist durch den skythischen Mönch Dionysius Exiguus Mitte des 6. Jh.
n. Chr. begründet worden. Dionysius hat dem 248. Jahr der diokletianischen
Ära das 532. Jahr der von ihm errechneten Ära ab incarnatione
Domini gleichgesetzt. Von Jesu Geburtsjahr nahm er an, es falle in
das Jahr 753 ab urbe condita. Seither haben wir eine einheitliche
Zeitrechnung.
Zuvor gab es zahlreiche regionale Zählungen. Nach Archonten, Kaisern,
Konsuln, Olympiaden oder Steuerperioden wurde gerechnet. Antike Universalhistoriker
stellten häufig Synchronismen zusammen. Die diversen Kalenderreformen
machen die Rekonstruktion solcher Rechnungen natürlich nicht einfacher.









